Nach dem Jubiläumslauf im letzten Jahr geht der Peter-Lauf im Kaiserstuhl im wahrsten Sinne des Wortes neue Wege, und - soviel darf ich vorwegnehmen - im übereinstimmenden Urteil der Aktiven ist hier ein großer Wurf gelungen. Von der alten Strecke, einer geteerten 10 km-Runde durch die Weinberge hinter Endingen hat man sich getrennt. Stattdessen wird nun auf Höhenwegen der Kaiserstuhl erlaufen. Wege, die die reizvolle Vielfalt und Schönheit dieser Landschaft erschließen und das Herz des Landschaftsläufers höher schlagen lässt. Lößböden und solche aus verwittertem Vulkangestein, dazu ein fast schon mediterranes Klima, das veranlasste bereits die Römer hier Weinbau zu betreiben, und heute werden im Kaiserstuhl Weine von außergewöhnlicher Qualität produziert. Was wäre also ein Lauf durch den Kaiserstuhl ohne die oft labyrinthartigen Wirtschaftswege durch die Rebberge?
Aber der Kaiserstuhl bietet noch mehr. Schattige Waldpassagen entlang der höchsten Erhebung, dem Totenkopf, und sanfte Hügel, die Höhenwege sind abwechslungsreich und gestatten herrliche Ausblicke, gen Osten zum Hochschwarzwald und der Breisgaumetropole Freiburg, im Süden anschließend das Markgräfler Land. Nicht weniger attraktiv der Blick hinüber ins Elsass bis zu den Vogesen. Die Aufgabe, die neuen Laufstrecken zu konzipieren, hat Rennleiter Klaus Kläger mit Bravour gelöst. Beginnen wir mit der 50 km-Runde, die das Herzstück des Peter-Laufes bildet und von den 100 km-Ultraläufern zweimal durchlaufen werden darf. Start und Ziel ist das historische Breisach und das aus gutem Grunde. Der Hauptsponsor, der Badische Winzerkeller mit seiner Vermarktungsgesellschaft, ist in Breisach ansässig und so lag die Idee nahe, den Peter-Lauf mit dem größten Weinfest Badens zu verbinden, das hier drei Tage lang zu Fuße des Münsterberges gefeiert wird. Der Zieleinlauf in das belebte Weinfestgelände ist ein weiteres Plus, das nicht jede Veranstaltung bieten kann. Mit den zahlreichen dort angebotenen Attraktionen wird es auch mitgereisten Begleitpersonen und Angehörigen sicherlich nicht langweilig.
Vom Start am Weinfestgelände kann man sich erst mal gemütlich 5 km auf flachen, geteerten Wegen warmlaufen, bevor die ersten Anstiege hinauf zum Blankenhornsberg, eine der Top-Weinlagen, führen. Nachdem der Abstieg nach Ihringen, dem wärmsten Ort Deutschlands vollbracht ist, führt der Weg hinüber ins Liliental und weiter hinauf in die Waldregion entlang des Totenkopfes. Am Vogelsangpass wechselt man hinüber zum nördlichen Teil des Kaiserstuhls und die Läufer nehmen Kurs auf Endingen. Die verlorenen Höhenmeter dürfen wieder erarbeitet werden, wenn anschließend der Höhenweg nochmals erklommen wird, nur um sie eher noch schneller zu verlieren, bevor Oberrotweil im Herzen des Kaiserstuhls passiert wird. Nach letzten Anstiegen öffnet sich der Blick zum charakteristischen Münsterberg, Breisach ist in Sichtweite. Bei diesem steten Auf und Ab summieren sich die Höhenmeter und so sind auf dieser Runde satte 1310 m im Auf- und Abstieg zu überwinden. Das ergibt über 2600 m Höhenunterschied für die 100 km-Läufer, die den Peterlauf sicherlich zu einem der schwersten Hunderter weit und breit werden lassen, aber eben auch zu einem der schönsten. Die 50 km-Runde eröffnet auch die Gelegenheit, zur Halbzeit mit sich ins Gericht zu gehen, den Lauf dort zu beenden und in die Wertung des 50 km-Laufes aufgenommen zu werden. Der Zielschluss von 16 Stunden für die 100 km ist aber großzügig bemessen.
Dieselbe herrliche Runde nehmen die Teilnehmer des Wein-Marathons unter ihre Füße. Start ist hier am Badischen Winzerkeller und später wird am Höhenweg verblieben, wo die Ultras nach Endingen hinab laufen. So ergibt sich die Distanz von 42,5 km mit immerhin noch beachtlichen 980 Höhenmetern. Weiterhin wird neu noch ein Halbmarathon (520 Höhenmeter) angeboten, dieser startet in Endingen, führt auf schon beschriebenem Wege nach Breisach und kann laufend oder auch als Nordic Walker bewältigt werden. Eine schöne Gelegenheit statt einer Rundstrecke mal den Kaiserstuhl zu überqueren, die Rückfahrt ist mit der im Volksmund „Rebenbummler“ getauften Bahn garantiert.
Ein solches Mammutprogramm benötigt viele, engagierte Helfer. Der neu gegründete Peter-Lauf-Verein war in der Lage, sie zu mobilisieren. 20 Verpflegungsstellen entlang der Strecke sichern die lückenlose Versorgung. Die Strecke war perfekt markiert und mit zahlreichen Streckenposten gesichert. Dass einige wenige 100 km-Läufer sich kurzzeitig verliefen, kann dennoch passieren, dem Veranstalter ist hier kein Vorwurf zu machen. Für alle angebotenen Distanzen war jeder einzelne Kilometer exakt markiert. Die Verpflegung hielt sich im Rahmen des Üblichen, einige zusätzliche Anregungen versprach der Veranstalter aufzunehmen. Auch die kurzzeitige Verwirrung der spät Angereisten – die Startnummern für die Ultrastrecken gab es entgegen der Ausschreibung früh morgens direkt am Startgelände – dürfte nächstes Jahr Vergangenheit sein. Die Zeitnahme, die in der Vergangenheit schon mal Probleme bereitete, wurde einem lokalen Dienstleister übertragen.
Gemessen am Aufwand kann die Teilnehmerzahl derzeit noch nicht zufrieden stellen. Am Wetter kann es nicht gelegen haben, denn das war trocken mit angenehmen Frühtemperaturen und später nur wenig über 20°C warm, also für die Jahreszeit als ideal zu bezeichnen. Gut 250 Teilnehmer waren auf den angebotenen Strecken unterwegs, dies sollte in den nächsten Jahren deutlich steigerungsfähig sein, denn ich habe nur von der Strecke begeisterte Läufer getroffen, und das sollte die beste Werbung sein. Ein Kamerateam des Südwestfunkes, das die Veranstaltung begleitete, konnte jedenfalls eine Menge positiver Stimmen einfangen. Es dürfte sich dabei auch herum sprechen, dass man diese 100 Kilometer aufgrund des schweren Profils betont vorsichtig angehen sollte. Frank Brengartner vom SC Münstertal ist zwar eher dem Lager der Triathleten zuzuordnen, aber in Südbaden auch auf den reinen Laufstrecken kein Unbekannter und hat Erfahrung auf der 100 km-Distanz. Als einer der Favoriten erlief er sich auf der ersten Runde einen großen Vorsprung. Auf der zweiten musste er allerdings Federn lassen, konnte aber seine Spitzenposition verteidigen und siegte in 9:22:39 unangefochten.
Clever teilten sich die beiden erfahrenen Ultras Wolfgang Braun (LG Mützenich) und Jürgen Schoch (Forstenrieder SC) den Lauf ein. In der Vorbereitung für weitere Aufgaben wie den Spartathlon und den Deutschlandlauf gingen sie den Wettkampf ruhig an, liefen fast die ganze Strecke gemeinsam und rollten routiniert das Feld von hinten auf. Zeitgleich überquerten sie die Ziellinie und belegten verdient gemeinsam den zweiten Platz, für den sie 9:34:52 benötigten. Leider gibt es von der Damenkonkurrenz nichts zu berichten, es trat schlichtweg keine Frau an. Ein Fahrdienst zu den Duschgelegenheiten und die Moderation von Manfred Schmidt, der schon von Herrgottsfrühe an die Veranstaltung hervorragend am Mikrofon begleitete, rundeten den durchweg positiven Eindruck ab. Er gestaltete in bewährter Weise gekonnt die Siegerehrung, die auf dem Weinfestgelände auch einigen Besuchern den Ultramarathonsport näher brachten. Einem „Wein-Marathon“ angemessen gab es für Gesamt- und Alterklassenplatzierte Weinpräsente.
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