Eines muss man den Genussläufern lassen: sie gehen mit einer gesunden Portion Humor an die Sache heran. Zum kleinen Jubiläum von fünf Veranstaltungen ließ man im Rahmenprogramm die vergangenen Genussläufe in einem Kurzkabarett Revue passieren und nahm sich dabei selbst gekonnt auf die Schippe. Auch die kritischen Stimmen kamen durchaus zu Gehör und als der Genusslauf als eine Veranstaltung für "Weicheier und Kanapées-Fresser" gebrandmarkt wurde, war die Heiterkeit im Publikum grenzenlos. Denn der Müllheimer Genusslauf, der neben einer durchaus anspruchsvollen Halbmarathonstrecke mit 380 Höhenmetern An- und Abstieg eine "Viertele-Marathon" genannte rund 10 Kilometer lange Strecke sowie einen Kinderlauf "Jag das Wildschwein" anbietet, ist der etwas andere Lauf. Geboren von einigen Läufern, denen das anschließende Beisammensein und Verköstigung lokaler Spezialitäten mindestens ebenso wichtig ist wie das Laufen, wurden leibliche Genüsse, die durch den Magen gehen, integraler Bestandteil der Veranstaltung.
Das beginnt bei der Pasta-Party am Vorabend, die nur wenig gemein hat mit dem, was sonst unter diesem Namen angeboten wird. Tatort ist dann auch ein Restaurant der gehobenen Klasse, statt Laufschuh und Finisher-Shirt ist eher elegante Kleidung vorherrschend, statt einer Portion extra weicher Nudeln mit Tomatensoße wird ein Buffet von raffinierten Pasta- und Kartoffel-Variationen offeriert. Ein Gewölbekeller bietet den Raum für die Vorträge des Rahmenprogramms.
Logisch, dass an die Verpflegung entlang der Laufstrecke ebenfalls andere Maßstäbe angelegt werden. Belässt man es anfangs bei einem reichen Obstangebot auf nett dekorierten Tischen, so werden drei Kilometer vor dem Ziel die bereits erwähnten Kanapées angeboten und dazu - wer will - ein Schluck Spätburgunder Rotwein. Zweifelsohne ist das nicht die ideale Verpflegung auf der Laufstrecke, und die Verquickung von Sport und Alkohol ruft einige Kritiker auf den Plan. Letztendlich bleibt es jedem selbst überlassen, ob er das Angebot annimmt, oder seinen sportlichen Ehrgeiz in den Vordergrund stellt, denn natürlich wird auch das dann eher angesagte Wasser gereicht.
Die Abstimmung nach Füßen jedenfalls gewinnt diese Veranstaltung mit Leichtigkeit. Trotz der durchaus "sportlichen" Startgebühr, die man allerdings ins rechte Verhältnis zum Gebotenen setzen muss, kamen bei der Premiere bereits rund 270 Läufer. Mittlerweile verhängen die Organisatoren um Präsident Jens-Uwe Voss ein Limit von 1200 Voranmeldungen, um die Qualität der Veranstaltung halten zu können. Rund 400 Halbmarathonis und weitere 700 Läufer und Walker auf der 10 Kilometer-Strecke wurden dieses Jahr im Ziel gezählt, dabei konnten viele Gäste aus dem benachbarten Elsass und der Schweiz begrüßt werden.
Die Schönheit der Laufstrecke ist jedenfalls über jeden Zweifel erhaben, auch wenn sie dieses Jahr aufgrund des trüben und regnerischen Wetters nicht recht zur Geltung kam. Die wegen der Witterung teils schlammigen und crossigen Passagen sowie die steile Rampe bei Kilometer 16 dürften zweifellos allen (Genuss-)Läufern einiges abverlangt haben, so dass die sportliche Leistung eines jeden einzelnen außer Frage steht. Als klarer Favorit ging der frischgekürte Sieger des Freiburg-Marathons Max Frei ins Rennen, und in 1:11:04 entschied der Läufer des USC Freiburg die Sache nun bereits zum vierten Mal zu seinen Gunsten. Während man beim Freiburg-Marathon auch als Sieger leer ausgeht, darf sich Frei (und die Zweit-/Drittplatzierten) beim Genusslauf über eine Siegprämie freuen. Zweiter wurde mit einer Zeit von 1:14:13 der Portugiesen Paulo Magalhaes vor Josef Beha (1:15:08), der für den FC Unterkirnach startet.
Bei den Frauen konnte sich erstmals Barbara Imgraben vom TV Britzingen in die Siegerliste eintragen. Der Berglaufspezialistin kommt das Streckenprofil natürlich entgegen und sie verwies mit einer Zeit von 1:26:26 die für den TNB Malterdingen startende Kristina Herrmann (1:27:30) auf den zweiten Platz. Rang drei belegte Claudia Rivera, die 1:29:19 benötigte. Auf der 10,8 km Strecke belegten die ersten drei Plätze Trudpert Bosch (39:53), Eckhart Förster (40:36) sowie Christian Forst (40:44). Eine Klasse für sich war M65er Eduard Zimmermann, der in 42:29 Gesamtfünfter wurde. Bei den Frauen durften das Treppchen besteigen: Diana Dertinger (43:22), Roswitha Schäffler (48:13), Annette Horstschäfer (50:02).
Im Ziel ließ man sich auch durch Dauerregen nicht vom Feiern abhalten. Warteten dort doch neben Gemüse-Consommée, den unvermeidlichen Kanapées und Winzersekt allerlei Genüsse, die es nicht zu verpassen galt. Schließlich gehört es zu dem Selbstverständnis des Markgräflers, dass ihn Petrus einst in die Hölle schicken wird – hatte er doch den Himmel schon auf Erden. Ein weiterer Sonderservice ist die Tafel der letzten Dreißig. Gehen bei anderen Veranstaltungen die Allerletzten im Ziel manchmal leer aus, so bekommen sie beim Genusslauf garantiert das volle Programm geboten. Der Genusslauf in Müllheim besticht durch ein immenses Programm mit vielen Ideen, die gut ankommen. Zweifelsohne werden auch in den nächsten Jahren die Läufer das Teilnehmerlimit ausschöpfen, um vor, während und nach dem Lauf den Himmel auf Erden zu zelebrieren.
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